Endanflug

Larsi

Mitglied
Hallo allerseits!

Ab wann wird in etwa, im Landeanflug der AP ausgeschaltet?? Im Endanflug, richtig?? Wird das in der Regel gemacht wenn der nicht fliegende Pilot das Fahrwerk ausfährt, oder schon früher??

Wird bestimmt nicht immer gleich sein, ich meine nur wann in etwa wird halt manuell geflogen?!

Beste Grüsse

Larsi
 
Diese Frage ist schwer bis unmöglich pauschal zu beantworten.

Die beiden Extreme sind ab 10.000 Fuss von Hand fliegen zwecks der Übung und ein CAT III-Anflug mit Automatischer Landung, bei der man den AP erst beim Abrollen von der Bahn ausschaltet.

Alles dazwischen ist vollkommen erlaubt und akzeptabel. Die Masse der Fälle wird sich so in etwa 2.000 bis 1.500 Fuss AGL abspielen oder bei Anflügen mit schlechten Sichten bzw. enger Staffelung wie z.B. in LHR - in beiden Fällen also erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Go-Arounds - erst nachdem RWY in Sight bzw. Cleared to Land. Ganz einfach deswegen weil ein Go-Around mit Autopilot wesentlich relaxter ist.

Gruß MAX
 
Guten Tag,


eine Gegenfrage:

Wie sieht es denn bei einem Start aus ? In welcher Höhe würde sich hier die Masse ansiedeln ?

Wenn der Autopilot im Durchschnitt bei der Landung bei ca. 2 000 - 1 500 ft ausgeschaltet wird, da beträgt die reine manuelle Flugzeit ab diesem Zeitpunkt ja "nur noch" 2-3 Minuten, richtig ?

Ansonsten Danke Larsi für diese Frage und Max Reverse für die Antwort, exakt dieselbe Frage ist mir in den letzten Tagen auch schon aufgekommen, habe allerdings nirgends eine passende Antwort gefunden bis auf jetzt in diesem Thread.

Gruß LH320
 
Laut meiner Info muss bei Emirates z.B. oberhalb 5000ft immer mit Autopilot geflogen werden (einige wenige Ausnahmen gibt es sicherlich).
 
Hallo

so in etwa dachte ich mir, dass bei etwa um die 500-700 meter Flughöhe
der AP abgestellt wird. Schon klar, dass dies einmal früher bzw. später
gemacht wird. Ist ja alles relativ gesehen!

Danke für die Antworten!

Grüsse in alle Himmelsrichtungen!


Larsi
 
Ganz einfach deswegen weil ein Go-Around mit Autopilot wesentlich relaxter ist.

Kann mir gut vorstellen, dass ein Go-Around mit AP wesentlich relaxter ist. Aber wie kann ich mir dass konkret vorstellen? Wie ist denn die "Aufgabenteilung" zwischen Pilot und AP im Falle eines Go-Arounds. Oder anders gefragt, in welchen Bereichen genau entlastet der AP den Piloten?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein Go-Around ist ein sehr seltenes und teilweise spektakuläres Manöver. Spektakulär deswegen, weil hier ein idR vergleichsweise leichter Flieger mal wirklich zeigen kann, welche Performance bei 'Max Power' möglich ist. So etwas wie reduced Power gibt es beim Go-Around nicht.

Dennoch ist ein G/A natürlich nicht gefährlich, sondern eben einfach die zweite Möglichkeit einen Anflug zu beenden - neben einer Landung. Aber er muss gut vorbereitet und richtig ausgeführt werden.

Fliegerisch besteht die Aufgabe darin, den Energiezustand des Fliegers quasi innerhalb eines Augenblickes 'umzukehren', aus einem gemächlichen Sinkflug einen beschleunigten Steigflug zu machen.

Die Eindrücke (bes. die extrem hohe Pitch und ggl. frühe Turns) welche dabei auf die Sinnesorgane einwirken, können besonders bei Nacht/IMC so wiedersprüchlich sein, dass man kurz vor einem Vertigo steht. Oder soagr mehr wie etliche Vor- bzw. Unfälle in dieser Flugphase zeigen. Z.B. der A320 der Armavia in Sotchi, der A310 der TAROM in Paris uvm).

Das Handling sieht so aus: Als erstes wird Vollgas gegeben, die Klappenstellung wird leicht reduziert, sobald der Flieger steigt wird das Gear eingefahren und dann muss man dem Missed Approach Procedure (MAP) folgen.

Dieses muss nur den Ansprüchen genügen, den Flieger auch in IMC frei von Hindernissen und ggf. anderem Verkehr zu halten. Ob man es sich leicht merken kann (es muss nach dem Approach Briefing auswendig sitzen) oder wie leicht es sich abfliegen läßt interessiert beim Procedure Design oftmals niemanden.

So kann es dann dazu kommen, dass man eine sehr niedrigen Level-Off-Altitude beachten muss (teilweise nur 1.500 ft AGL), wilde Folgen von Turns oder Interceps oder dass einem der Fluglotse nach Einleiten des G/As etwas ganz anderes aufträgt.

Ein sehr 'schönes' Beispiel ist die RWY 33L in MAD:

325° - at D1 BRA/MNM 2300 (MNM 2500 for GP inop) LT intercept R312 BRA at 6.5 BRA LT (MAX 185KT) intercept R273 SSY at D9 SSY MNM 4000 LT (MAX 220KT) intercept R193 CNR to GE - climb 5000

Alles klar?

In einer solchen Situation ist der Autopilot ein sehr willkommener Helfer. Solange der PF von Hand fliegt, ist er voll und ganz mit dem Handling des Fliegers beschäftigt und fällt als Redundanz weg. Der PNF ist mit dem Fahren von Gear/Flaps und dem Bedienen des FMS bzw. Mode Control Panel nebst Funkverkehr auch schon ganz gut ausgelastet.

Da bleibt also wenig oder keine Kapazität für Luftraumbeobachtung, das kritische Hinterfragen von Freigaben oder das Setzen von Navaids um sicherzustellen dass die Position des FMS auch korrekt ist.

Früher oder später wollen noch die Kabinencrew und die Gäste informiert werden, das FMS muss für einen neuen Anflug oder ggf. eine Diversion programmiert werden uvm. Also keine gute Zeit zum 'von Hand' fliegen.

Gruß MAX
 
Hallo allerseits!

Max, absolut sehr gut und einleuchtend erklärt!
Danke hierfür :resp:


Grüsse Larsi, der Morgen mit dem Junior(9) für ein Tag mal schnell Rom unsicher macht :cool:
 
Super erklärt Max und auch von mir vielen Dank!

Mach mich in wenigen Stunden mal wieder auf den Weg zum Flieger nach MUC..wer weiß vielleicht laufe ich ja einem von Euch unbekannterweise über den Weg. :cool::cool::cool:

Grüße aus dem Münsterland
 
Wo gerade GoAround angesprochen wird kommt mir immer das Bild von James Bond, Casino Royal vor die Augen wo der Jumbo zum GoAround Vollgas gibt. Ist das realistisch?
 
Ah, danke!

Die Mimik ist schon klar, das ist bei allen Fliegern die TOGA-Buttons haben ähnlich und kommt beim Take-Off auch entsprechend zum Einsatz (1x Drücken = Flex/Reduced / 2x Drücken TOGA).

Reduced-Power Go-Around würde mich aber schon alleine daher wundern, weil dann ja auch jedes Mal eine Performanceberechnung nötig wäre (analog Take-Off-Data) um sicherzustellen, dass der Flieger beim Go-Around auch mit einem Engine-Failure die PDGs einhalten kann und außerdem müßte der Grad der Power Reduction (analog T Flex / T assumed) auch dem FMS mitgeteilt werden. Außer man macht ein fixes De-Rate, die Berechnung wäre dann allerdings auch fällig, könnte evtl. durch ein Simplification-Modell fallweise wegfallen (unter x.xxx ft, unter xx tons, unter xx °C kein Limit).

Da ein Go-Around ja eher selten vorkommt würde es sich m.E. kaum lohnen, dass alles zu testen und zu zertifizieren. Lasse mich aber gerne überzeugen, die NG kenne ich leider kein Stück.

Gruß MAX
 
Leider habe ich mein 737 AOM schon vor Jahren entsorgt, aber aus dem Gedächtnis stimmt das so: 1x drücken reduced G/A Thrust, 2x drücken full G/A Thrust, ausser im "one engine out" Fall, da gibt's logischerweise immer Volldampf. Der reduced Thrust ist, meine ich, abhängig von der beim vorangegangenen Start eingegebenen TASS (temperature assumed, entspricht FLEX bei Airbus); nagelt mich darauf aber nicht fest.

Grundsätzlich ist es ja nur in den seltensten Go Around Fällen nötig, wirklich das letzte Prozent an Schub rauszukitzeln, da ich ja im Vergleich zu einem T/O von der selben Bahn immer mit einem riesen Speed- und Höhenvorteil ankomme. D.h. wenn ich von der Bahn starten kann, funktioniert der G/A allemal. Ausnahmen dazu wären Wind Shear und/oder Ground Proximity Warning, wo ich wirklich alles brauche, was drin ist. Da allerdings erlaubt Bobby Boeing im Gegensatz zu Airbus auch Overboost, d.h. das Limit sind die "mechanical stops" der Throttles. Das ist für die Engines auch kein Problem, da die ja in ihrer Leistung (thrust ratings) nicht konstruktiv begrenzt sind, sondern elektronisch.

Grüße,
selcall
 
Nach langer Zeit der Abwesenheit wollte ich mich dann auch mal wieder zurueck melden :blush:.

@selcall

Bei einem all Engine G/A welcher, wenn er denn vor kommt, am Wahrscheinlichsten ist hat man eigentlich so gut wie nie Performance Probleme. Es gibt aber einige Flughaefen wie Sanaa im Yemen wo wir jedesmal auf dem 320 vor dem T/O ein maximales Go-Around Gewicht festgelegt haben und zwar fuer den Single Engine Fall. Je nach Temperatur lag das im Extremfall um bis zu 5 Tonnen unter dem Max. Landegewicht.

Gruss
SR-71
 
Zurück
Oben