Airbus-Krise

Ich habe mal eine neues Thema eröffnet, da die Airbus-Krise uns in den nächsten Monaten stark beschäftigen wird:

A380-Krise: Airbus-Chef erwartet keinen Stellenabbau

Airbus-Chef Christian Streiff konkretisiert in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt das Sparprogramm des Flugzeugherstellers.


Airbus-Chef Christian Streiff hat in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt (Donnerstag-Ausgabe) das Sparprogramm des Flugzeugherstellers konkretisiert. "Die Kosten für Material, Qualitätssicherung und Verwaltung sollen um 30 Prozent reduziert werden. Wir werden weniger Aufträge für Consulting und Werbung vergeben. Wir müssen bei Airbus schon den Lebensstandard ändern", sagte Streiff der Zeitung. Der Airbus-Chef schloss weder längere Arbeitszeiten noch Lohnkürzungen und Abstriche bei Weihnachts- oder Urlaubsgeld aus. "Diese Dinge stehen aber nicht auf der Tagesordnung", sagte Streiff.

Zudem ging der Airbus-Chef näher auf einen möglichen Arbeitsplatzabbau ein. "Ich erwarte keine Reduzierung der Stellen bei den Werkern, weil die Auftragsbücher voll sind. Wir sind im Dialog mit den Betriebsräten. Bei den Zeitarbeitskräften außerhalb der Produktion wird gespart werden müssen. Zahlen gibt es bisher noch keine. Sie sollen möglichst im November vorliegen."

Über die künftige Arbeitsteilung beim Bau des Riesen-Airbus A380 zwischen den Standorten Hamburg und Toulouse will Streiff frühestens Anfang 2007 entscheiden. Bis dahin sollen "Ideen gesammelt und geordnet" werden. Zudem wolle sich Airbus vorher intensiv mit Politik und Sozialpartnern austauschen.
 
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Hier weitere Zusammenfassungen:

380-Krise: Debatte um Milliarden-Sparplan
Angst um die Airbus-Jobs
Die Spekulationen über einen möglichen Abzug der A380-Produktion aus Hamburg zugunsten des Werks im französischen Toulouse stoßen nun auch im Bundeskabinett auf deutliche Ablehnung. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will Airbus-Chef Christian Streiff bei einem für morgen geplanten Treffen in Berlin zur Einhaltung von Zusagen im Zusammenhang mit der Entwicklung und Produktion des Großraumflugzeugs drängen. "Bund und Länder haben in den vergangenen Jahrzehnten wesentliche Beiträge zur Erfolgsgeschichte von Airbus geleistet, verbunden mit dem Aufbau von technologisch hochwertigen Arbeitsplätzen", sagte der CSU-Politiker.
Er gehe davon aus, dass "unvermeidliche Schritte" für alle Standorte ausgewogen erfolgten und "gegebenenfalls Lasten fair verteilt" würden. Dies sei ihm in bisherigen Gesprächen mit der Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS auch "ausdrücklich bestätigt" worden. Finanzminister Peer Steinbrück forderte das Unternehmen auf, bei den anstehenden Umstrukturierungsmaßnahmen sicherzustellen, dass diese nicht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland gehen. Auch die IG Metall kündigte Widerstand gegen einen möglichen Abzug der Produktion des Großraumflugzeugs A380 aus Hamburg an.


Rückendeckung aus Paris

Rückendeckung erhielt Airbus für die geplanten Milliardeneinsparungen von der französischen Regierung. Der Plan sei "realistisch und glaubwürdig", sagte Wirtschaftsminister Thierry Breton im französischen Fernsehen. Die insgesamt zweijährige Verzögerung bei der Fertigung des Airbus A380 für 555 Passagiere sei "kein Fiasko". Verzögerungen seien bei einem so großen Industrieprojekt immer möglich, sagte Breton.
Wegen der neuen Verzögerungen bei der A380-Auslieferung büßt EADS in den kommenden Jahren insgesamt Umsätze in Höhe von voraussichtlich fast fünf Milliarden Euro ein. Am Dienstagabend kündigte der Konzern ein Sanierungsprogramm an, mit dem zwei Milliarden Euro eingespart werden sollen. Dabei soll es auch zu Stellenstreichungen kommen. Details der Sparmaßnahmen sind aber nach wie vor noch nicht bekannt.
Aus für A380 in Hamburg?
[Bildunterschrift: In Hamburg haben gerade erst die Arbeiten für eine erneute Verlängerung der Werks-Startbahn begonnen - der umstrittene Bau ist nur für den A380 erforderlich und wäre bei einer Verlagerung nach Toulouse überflüssig.
Französische Zeitungen hatten von einem drastischen Umstrukturierungsprogramm berichtet. Demzufolge könnte das Hamburger Werk große Teile der A380-Fertigung verlieren. Im Gegenzug werde die Fertigung des A320 zu großen Teilen in die Hansestadt verlagert. 2500 Beschäftigte arbeiten dort laut Airbus am A380. In Hamburg wurde gerade erst nach jahrelangem Streit eine weitere Verlängerung der Startbahn durchgesetzt. Airbus hatte die Verlängerung als Voraussetzung dafür gefordert, dass auch die Frachtversion des Riesen-Airbus in Hamburg ausgeliefert werden kann.
Wegen der Verzögerungen muss Airbus hohe Strafen an seine Kunden zahlen und damit rechnen, dass die Fluggesellschaften auf Maschinen des Konkurrenten Boeing ausweichen. Der Hauptkunde des A380, die Fluglinie Emirates, sprach von einem "sehr großen Problem". Man prüfe jetzt "alle Optionen", erklärte Konzernchef Tim Clark. Die Fluggesellschaft aus Dubai ist mit 43 Bestellungen der größte Kunde des Airbus A380.

Verzögerung verärgert Airlines
Die australische Fluggesellschaft Qantas zeigte sich enttäuscht über die erneute Verzögerung. Das Unternehmen werde seinen Kapazitätsbedarf nun neu bewerten, erklärte Qantas-Finanzchef Peter Gregg. Dennoch sei Qantas zufrieden, dass die Verzögerung nicht auf technische Probleme, sondern lediglich auf Schwierigkeiten bei der Produktion zurückzuführen sei.
Auch die Fluggesellschaft Virgin Atlantic kündigte wegen der neuerlichen Lieferverzögerungen beim A380 "ernste Auswirkungen" an. Lufthansa-Sprecherin Stefanie Stotz sagte, die ersten bestellten Maschinen der A380 erwarte die Fluggesellschaft jetzt im Sommer 2009. Lufthansa hat insgesamt 15 der Riesen-Jumbos geordert. An der Bestellung wolle Lufthansa festhalten.
 
Noch ein Thema aus der Börse zur Airbus Krise:

Milliardeneinbußen für EADS
Das Debakel um den Super-Airbus A380 kostet den Airbus-Mutterkonzern EADS Milliarden. Das bringt die EADS-Aktie ins Trudeln, aber auch DaimlerChrysler und MTU. Steht bei Daimler gar eine Gewinnwarnung ins Haus?

Der Airbus A380 am Boden
Es war die Schreckensmeldung am Dienstag: Airbus muss die Auslieferung des Flaggschiffs A380 nochmals verschieben. Doch die Börse reagierte zunächst unbekümmert, die Aktie des Mutterkonzerns EADS legte sogar zu und schloss im elektronischen Xetrahandel, der um 17:30 Uhr endet, rund 1,2 Prozent im Plus bei 22,69 Euro.

Richtig unruhig wurden Börsianer erst, als um 19.30 Uhr bekannt wurde, dass mit der erneuten A380-Verschiebung auch höhere Belastungen verbunden sind, als bisher zu erwarten waren. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll nämlich 2006 bis 2010 insgesamt 4,8 Milliarden Euro geringer ausfallen als erwartet. Bislang war hier die Summe von zwei Milliarden genannt worden.

Börsianer konnten die Aktien gestern dann nur noch im Parketthandel auf den Markt schmeißen. Im Xetrahandel werden die Kursverluste erst heute sichtbar: Direkt zum Handelsstart rauschen EADS-Titel fast 12 Prozent in die Tiefe bis auf 20,05 Euro.

Korrekturen bei Daimler?
DaimlerChrysler-Aktien geraten in Mitleidenschaft. Die Titel verlieren zum Handelsauftakt rund 1,5 Prozent 38,58 Euro. Der Stuttgarter Autobauer ist Großaktionär bei EADS - und deshalb wird das A380-Debakel wohl nicht ohne finanzielle Folgen bleiben. Zumindest kündigte der Konzern an, er werde im Rahmen der Berichterstattung über das eben zu Ende gegangene dritte Quartal seine Ergebnisprognose aktualisieren.

Bei der Aufstellung des Quartalsabschlusses werde ermittelt, "in welchem Umfang die von EADS genannten Themen auch Auswirkungen auf den Operating Profit von DaimlerChrysler für das Jahr 2006 haben werden", hieß es in einer Mitteilung. Der Autobauer hält 22,3 Prozent an EADS.

MTU "Keine Belastung"
Auch den Aktien von MTU macht die EADS-Krise zunächst zu schaffen. Die Aktie verliert fast fünf Prozent am Mittwochmorgen bis auf 28,05 Euro. Börsianer befürchteten Belastungen, weil MTU Triebwerkskomponenten für den A380 an EADS liefert.

Doch schon kurze Zeit später drehte die Aktie ins Plus. MTU äußerte sich nämlich recht optimistisch. Man erwarte keine Belastungen für den eigenen Gewinn. "Das bedeutet für uns lediglich eine Verschiebung von Umsatz, die keine negative Auswirkung auf das Ergebnis hat", sagte ein Firmensprecher am Mittwoch in München. Hersteller von Flugzeugtriebwerken machen in erster Linie mit dem Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft Gewinne, während die Erstausrüstung der Maschinen wegen der hohen Investitionskosten nicht so gewinnträchtig ist.

Airbus-Rivale Boeing dürfte von der Krise bei dem Rivalen profitieren. Entsprechend legten die Aktien des US-Konzerns am Dienstag im New Yorker Handel um 2,3 Prozent.
 
Und zum Hintergrund:

Kampf um den Spitzenplatz
Airbus und Boeing - Konkurrenten der Lüfte
Wo auch immer sich die Flugzeugbranche zur Leistungsschau trifft, zwei Firmennamen dominieren die Berichterstattung: Airbus und Boeing. Seit Jahren stehen die beiden weltgrößten Flugzeugbauer in einem harten Konkurrenzkampf und die Verkündung der neuesten Bestellzahlen hat mittlerweile den Charakter einer Sportveranstaltung bekommen: Wessen Auftragsbücher sind praller gefüllt?

2003 konnte der mittlerweile vom Konsortium zur eigenständigen Gesellschaft gewandelte europäische Konzern erstmals den US-Erzrivalen bei den Auslieferungszahlen übertrumpfen. Die A320-Modellreihe verkaufte sich blendend und mit zwei neuen Modellen, dem Riesenjet A380 und dem Langstreckenflieger A350, strebte Airbus weitere Höhenflüge an. Doch daraus wurde nichts. Mehrere Probleme und Krisen sorgten in letzter Zeit dafür, dass der europäische Konzern den US-Konkurrenten im Schlagzeilen-Wettbewerb ausstach - aber nicht im positiven Sinne.

A380 - große Maschine, große Probleme

Mit der 747-Modellreihe, dem so genannten Jumbojet, produziert Boeing seit mehr als drei Jahrzehnten das größte Passagierflugzeug der Welt. Diese Dominanz will Airbus mit dem Riesenjet A380 brechen. Das Flugzeug sorgte bei Investoren wie Öffentlichkeit für großes Interesse.

Mittlerweile haben jedoch technische Probleme aus dem Vorzeigeprojekt ein Sorgenkind des Konzerns gemacht. Immer wieder musste der ursprünglich für das zweite Quartal 2006 angesetzte Liefertermin nach hinten verschoben werden. Die Zahl der geplanten Auslieferungen in 2007 wurde zudem deutlich reduziert. Zwar gab es laut Airbus wegen der Verzögerungen keine einzige Stornierung, mehrere Fluggesellschaften forderten aber Entschädigungen. An der Börse gab die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS deutlich nach. Die Krise kostete sowohl den deutschen Airbus-Chef Gustav Humbert als auch den französischen EADS-Chef Noël Forgeard das Amt. Jüngster Tiefpunkt für Airbus: Boeing lag im Juli beim Rennen um Neuaufträge erstmals seit Jahren wieder vorn.

A350 gegen Dreamliner
Aber nicht nur der A380 bereitet Airbus Sorgen. Der A350, konzipiert als Alternative zu Boeings Langstreckenjet 787, fand in seinem ersten Entwurf nur wenig Anklang bei den Kunden. Sie kritisierten, dass es sich lediglich um ein erweitertes Modell des A330 handele statt einer Neuentwicklung. Sowohl bei der Reichweite als auch dem Verbrauch gebe es Nachbesserungsbedarf. Daher bestellten die Fluggesellschaften lieber den auch Dreamliner genannten Jet des US-Konkurrenten, der zudem mit einem Liefertermin 2008 auch zwei Jahre früher verfügbar sein würde als der A350.

Inzwischen hat sich Airbus dazu entschlossen, den A350 nachzubessern. Allerdings erhöhen sich dadurch die Entwicklungskosten und auch die Zeit bis zur Auslieferung. Erst Mitte 2012 soll der Jet nun gegen den Dreamliner antreten. Der wiederum scheint nun Boeing Probleme zu bereiten. Der US-Konzern musste Probleme bei der Produktion seines Hoffnungsträgers einräumen.

Subventionen oder nicht?
Überschattet wird der Wettkampf zwischen A350 und dem Dreamliner durch einen Streit zwischen den USA und den vier an Airbus beteiligten Ländern (Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien) um eine Subventionierung der A350-Entwicklung. Weil Airbus solche Unterstützung bei mehreren europäischen Regierungen beantragt hatte, verklagten sich die USA und die EU gegenseitig vor der Welthandelsorganisation (WTO). Die EU argumentiert, dass Boeing durch die US-Regierung indirekt durch Rüstungs- und Forschungsaufträge subventioniert werde. Airbus verkündete, es könne das Flugzeug zunächst auch ohne Beihilfen entwickeln. Der Streit ist noch nicht entschieden.
 
Durch diese wohl schwere Krise der europäischen Luftfahrt muß Airbus durch, dann geht man wieder gestärkt in den Wettbewerb mit Boeing.

Boeing hat ihre Krise weitgehend bereits hinter sich und kann bereits voll durchstarten. Bei Airbus macht das jahrelange Gerangel um Posten und Standorte sich zunehmend negativ bemerkbar, so meine Einschätzung der aktuellen Krise.

Verzögerungen sind bei neuen Modellen ganz normal, jedoch eine mehrmalige zeitliche Verzögerung stellt die Airlines auf eine harte Geduldsprobe. Zum Glück ist das Konzept der B747-8 nicht so ausgereift, sonst müßte Airbus höllisch aufpassen. :mad:
 
Ich denke (meine Meinung): Die B 747-8 wird jetzt zu einem ernsthaften Konkurrenten für den A 380. Ich denke (meine Meinung), das Boeing sehr
bald erste gute Verkaufszahlen melden kann. Ich denke (meine Meinung),
dass Airlines auf das Erprobte, Bewährte setzen werden - auf die 747-8.
Ich denke (meine Meinung), dass sich schon heute Wartunsingenieure
ernsthaft sorgen machen, wie die A 380 denn gewartet werden soll, bei
dem ganzen Kabelsalat in der Kabine. Ich denke (meine Meinung), dass
Airbus im nächsten Jahr keinen einzigen A 380 an den Mann bekommen
wird, sprich verkaufen wird!

Die Airlines wollen erst mal sehen, ob die
Airbus-Techniker ein eigentlich kleines Problem in den Griff bekommen, ob ein Kabel für einen Konvektor (nix flugtechnisches - ein Konvektor ist ein "professioneller" Aufwärm-Ofen zum Beispiel für Business-Mahlzeiten).
Da machen ein paar Zentimeter fehlendes Kabel für einen Ofen so enorme
Probleme, dass die gesamte Innenverkabelung neu durchdacht werden
muss.

Ja, man mag's kaum glauben: Airbus hat mit dem A 380 eine bildhaft
geprochene Traum-Villa mit allem Komfort gebaut. Jetzt muss aber
bildhaft geprochen ein Lichschalter versetzt werden. Deshalb geht jetzt
die gesamte Haus-Elektrik nicht mehr: keine Jalusine, und auch die
Steuerung der Heizölenergie-Versorgung macht nur Probleme. Und alles
nur, weil man einen Lichschalter versetzen will.

Ja, das ist so. Eigentlich irre. Es geht um ziemliche Kleinigkeiten, die
das gesamte System ins Wanken bringen. Es geht ausschliesslich um
die Länge (!) von Kabeln - um eine Verlängerung, Versetzung und
Verkürzung von Kabeln und die Auswirkung auf das Gesamtsystem.

Soweit ich gehört habe, war der Wunsch einer Airline, den Konvektor
woanders zu plazieren, der Auslöser der Krise... aber ich habe es nur
gehört....
 
Emirates liebäugelt laut a.net mit einer Bestellung von 20 B747-8.
Das wäre wohl der Durchbruch und andere könnten recht schnell folgen.
Dabei hatte Airbus eigentlich schon alles im Sack. Genau dieses Problem der Selbstsicherheit lässt jetzt das ganze Projekt in ihren Mauern wieder wanken, wie zu keinen Zeitpunkt der letzten 5 Jahre. :o :thbdwn:
 
Es sind nicht nur die berühmten Verkabelungsprobleme, es gibt wohl auch erhebliche Probleme mit der Steuerungssoftware im Kabinenbereich.
An dem Punkt muß man scheinbar fast zu den Anfängen zurück um das Problem lösen zu können. Hatte ich zumindest irgendwo in einem der vielen Presseberichte der letzten Zeit gelesen.
 
Vor dem Neustart
Kunden wettern, Manager streiten, Beschäftigte zittern: Es geht um die Zukunft des Flugzeugherstellers Airbus. Europas Vorzeigeprojekt steckt in einer tiefen Krise. Stundenlang diskutierte der Verwaltungsrat des Mutterkonzerns EADS am Freitag die Lage: Einigung Fehlanzeige. Airbus ist ein Unikum in Europas Unternehmenslandschart. Gegründet Anfang der 70er-Jahre als multinationale Projektgesellschaft, um ein Verkehrsflugzeug zu bauen. Das Projekt war keineswegs auf Dauer angelegt. Danach hätte sich das Konsortium aus Deutschen, Franzosen, Spaniern und Briten durchaus wieder auflösen können. Doch es kam anders: Nach Startproblemen und Milliardensubventionen aus Steuergeldern mauserte sich Airbus zum größten Flugzeughersteller der Welt. Nur die Strukturen blieben bis heute die gleichen, auch nach Gründung des Mutterkonzerns EADS. Immer noch wird dort produziert, wo es die Politik für sinnvoll hält. Immer noch werden Flugzeugteile kreuz und quer durch Europa gekarrt, bis nach dem Lego-Prinzip endlich ein Flugzeug entsteht. Und immer noch ist jedes Airbus- Werk eine kleine Welt für sich: mit individuellen Abläufen und eigener Software. Beim Riesenairbus A3BO blieb das Wunder einer geglückten Produktion dann aus. Der Mutterkonzern EADS will Airbus jetzt radikal umstrukturieren. Politiker fürchten um Standorte, Gewerkschafter um Arbeitsplätze. Es wird wohl verlagert, möglicherweise auch geschlossen. Doch in der Summe überwiegen die Chancen. So manche Auslagerung der Fertigung wird sich als Neugründung auf der Wiese nebenan wiederfinden. Denn die Arbeit geht nicht aus: In den Büchern stehen Bestellungen über 200 Milliarden Euro. Das reicht bis weit in das nächste Jahrzehnt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meiner Meinung nach ist der ganze Schlamassel zurückzuführen auf:

- politische Kompromissspiele
- Überheblichkeit im Management
- Machtspiele des Managements

Wenn es ökonomisch sinnvoll ist, warum soll dann eine Konzentration der Wide-Body-Produktion in Tolouse und der Narrow-Body-Produktion in Hamburg tabu sein? Damit werden vermutlich mittelfrisitg gesehen wesentlich mehr Arbeitsplätze erhalten bleiben, als wenn dieser politische Zirkus mit Interessansausgleich und so weiter Bestand hat.

Ist Euch mal aufgefallen: Überall da, wo die Politik in unternehmerischen Entscheidungen mitmischt, gehts in den Graben!
 
@Chris99
sehe ich genauso. Hamburg sollte nur schauen das die neuen Hallen in Finkenwerder ausgelastet werden. Und das dürfte mit der A320 Familie besser und beständiger zu erreichen sein. Der A380 verkauft sich momentan ja recht zäh unterhalb der Erwartungen....
Aus unternehmerischer Sicht ist die Komplettmontage an nur einem Standort mit Sicherheit die sinnvollere Lösung.
 
Politisch aber wegen dem jahrelangen Rechtsstreit bzgl. Bahnverlängerung aber nicht durchsetzbar
 
Politisch aber wegen dem jahrelangen Rechtsstreit bzgl. Bahnverlängerung aber nicht durchsetzbar

Mag sein ABER:

Wir rennen sehenden Auges ins Verderben, aber da es politisch so gewollt ist, machen wir es!

SUPER, so liebe ich die Politik. Genau das ist es doch, was uns derzeit, und damit meine ich Deutschland, so behindert und zurückwirft. Nur weil es politisch opportun ist wird der größte Schmárrn verzapft, den es gibt.

Siehe die Zitate von Churchill in einem anderen Thread.

Sorry, aber das musste mal sein!
 
Politisch aber wegen dem jahrelangen Rechtsstreit bzgl. Bahnverlängerung aber nicht durchsetzbar

mmhh, ich denke es kommt eher darauf an was den Hamburgern als Ausgleich geboten wird. Letztendlich geht es um die Rechtfertigung der Werkserweiterungen im Mühlenberger Loch. Und wenn die Hamburger sich gescheit anstellen, profitieren sie am Ende noch und die Politik ist glücklich.
Auf die paar Meter verlängerte Piste können sie ja Rollrasen legen...:cool:
 
Emirates liebäugelt laut a.net mit einer Bestellung von 20 B747-8.
Das wäre wohl der Durchbruch und andere könnten recht schnell folgen.
Dabei hatte Airbus eigentlich schon alles im Sack. Genau dieses Problem der Selbstsicherheit lässt jetzt das ganze Projekt in ihren Mauern wieder wanken, wie zu keinen Zeitpunkt der letzten 5 Jahre. :o :thbdwn:

Ich glaubt nicht mal im Traum daran, daß EK die A380 Bestellung storniert!

Man muß ja irgendwas machen, daß man ausreichend Geld von Airbus bekommt, evtl. noch Vergünstigungen beim A346 usw.

Ich denke, eine Airline wie EK kann es sich nicht leisten, auf ein Muster wie den A380 zu verzichten.

Auch wenn die 747-8 "neu" ist, ist alles daran eher schon 40 Jahre alt! Das Konzept, die Konstuktion usw....
Nur weil man das Upperdeck um ein paar Meter verlängert, wird das noch lange kein neues Flugzeug und ein Konkurrent zum A380.

Technischer Fortschritt kostet leider manchmal Federn, und im Prinzip haben die Airlines ja selbst Schuld an den Verzögerungen.
Wenn jede Airline ein anderes IFE will, man sich nicht auf eine gemeinsame Basis festlegen kann, dann muß man halt auch die Quittung akzeptieren.
 
Förderalismuspest bei Airbus

Boeing hat einen grossen Vorteil. Es ist eine Einstaatenfirma,die bei der Wahl von Produktions und Entwicklungs Standorten und Managern nicht auf politischen Proporz achten muss. Beim A 380 werden einzelne Segmente in HH vormontiert und anschliessend mit viel Aufwand nach Tolouse transportiert.Damit niemand benachteiligt wird,dürfen die Engländer die Tragflächen anfertigen... und und und.

Ob das alles wirtschaftlich ist danach geht es überhaupt nicht. Es geht ums Prestige der einzelnen Standorte. Meiner meinung nach wäre es viel besser,die Entwicklungsabteilungen zu zentralisieren.Aber es wird bereits nach dem deutschen Staat gerufen,der EADS Anteile kaufen soll,damit auch ja die althergebrachten Strukturen aufrecht erhalten werden.

Wenn Airbus den A350 jetzt auf die lange Bank schiebt,wird man mittelfristig noch weiter an Boden gegenüber Boeing verlieren. Die A 340-200,300 Serien sind nicht mehr der grosse Verkaufsschlager,die A 330-200,300 Serie hält sich noch halbwegs.Aber wehe wenn die 787 dann auf den Markt kommt.

Aeromexico soll mit Boeing über den Erwerb von B 747-8 verhandeln. (Quelle "aol-news")

Euer FliegerhorstAltesLager:cool: :cool: :cool:
 
Boeing hat einen grossen Vorteil. Es ist eine Einstaatenfirma,die bei der Wahl von Produktions und Entwicklungs Standorten und Managern nicht auf politischen Proporz achten muss. Beim A 380 werden einzelne Segmente in HH vormontiert und anschliessend mit viel Aufwand nach Tolouse transportiert.Damit niemand benachteiligt wird,dürfen die Engländer die Tragflächen anfertigen... und und und.

Nun, glaube nicht, dass Boeing derartige Probleme nicht hat. Hier kämpfen auch die einzelnen Bundesstaaten um die Produktionsstätten. Und die können sehr schnell weiter auseinanderliegen wie bei airbus.

Zudem ist die Wertschöpfung der Endmontage auf ein sehr geringes Maß geschrumpft. Die Lieferkette wird immer komplexer und länger.
 
Führungskrise bei EADS

Airbus-Chef Streiff will hinschmeißen

In der Spitze von EADS ist es wegen der Airbus-Krise zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Da der Sanierungsplan von Airbus-Chef Christian Streiff auf Widerstände stoße, werde er den Konzern vermutlich verlassen, hieß es. Politiker in Berlin drohten EADS zudem mit dem Verlust von Rüstungsaufträgen. (...)

http://www.sueddeutsche.de/,tt1m4/wirtschaft/artikel/967/87880/
 
Technischer Fortschritt kostet leider manchmal Federn, und im Prinzip haben die Airlines ja selbst Schuld an den Verzögerungen.
Wenn jede Airline ein anderes IFE will, man sich nicht auf eine gemeinsame Basis festlegen kann, dann muß man halt auch die Quittung akzeptieren.

ich denke nicht, das die airlines daran schuld sind, eine angebotene option auch auszuwählen.
es liegt ganz einfach daran, das versprechen nicht eingehalten werden.

boeing hatte zu beginn (ab 1969) der 747 auch probleme ohne ende: triebwerke zu schwach, verbrauch zu hoch,
aufgrund der triebwerksaufhängung wurden die ersten 25 nochmal zu boeing zurückgerufen,
und noch viele weitere kinderkrankheiten.
in den ersten jahren konnten längst nicht so viele wie versprochen produziert werden.
aus erzählungen meines vaters (lufthanseat seit den 50er jahren) weiss ich das auch mit der 737 längst nicht
alles glatt lief. lh war da erstkunde.

gab es überhaupt schon mal ein neues flugzeug, welches pünktlich wie versprochen und problemlos
ausgeliefert wurde?

über die unendliche geduld der lufthansa beim 728jet habe ich mich schon gewundert.
aber wie du schon am beispiel emirates sagst, haben die airlines keine andere möglichkeit als zu warten,
weil noch schneller ist die 747-8 auch nicht lieferbar.

die immer wieder kritisierten verstreuten produktions-standorte bei airbus gibt es bei boeing auch immer mehr.
oder wozu werden die 747-belugas gebaut?

zum ife: ich habe gehört, das grottenschlechte (aber billige) rockwell-collins-ife wird beim a380 gar nicht
mehr angeboten, sondern nur noch thales oder mas. na, das ist doch immerhin schon mal ein fortschritt.
vhs ist definitiv out!

gruß, peter
 
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