Die Leute verstehen halt auch wenig vom Flugverkehr ...
Das Abstruse ist leider, dass die Befürworter des Ausbaus aber auch entweder nicht Willens oder nicht in der lage sind den Sachverhalt versändlich zu erklären.
Während die Gegner erfolgreich auf den sinkenden Jahreszahlen herumreiten, geht es den Planern um die planbaren Bewegungen pro Stunde, welche sie in den Hauptverkehrszeiten dringend benötigen.
Wir haben das schon zig-mal hier im Forum diskutiert:
Das Bahnsystem ist am Flughafen München aktuell (und nach Fertigstellung des Satelliten erst recht) der Flaschenhals im Gesamtsystem. Auch wenn viele Ausbaugegner das nicht gerne hören, ist es trotzdem so, dass in den Hauptverkehrszeiten Engpässe bestehen. Die FMG bzw. eigentlich ja die DFS erhält mehr Anfragen für die Abwicklung weiterer Flüge zu diesen Zeiten, als es das heutige Bahnsystem zuläßt.
Da besteht auch heute kaum Spielraum um kapazitätsmindernde Störungen wie Gewitter, Nebel oder Schneefall zu kompensieren oder um eine Anhäufung von verspäteten Maschinen in der Nebenzeit abzuarbeiten... Anschlussflüge werden dann verpasst.
Mehr Kapazität (und damit Redundanz) im Bahnsystem (120 statt 90 verlässlich planbare Flugbewegungen pro Stunde) wäre für den Betreiber sicherlich sehr sehr hilfreich.
Andererseits sehe ich schon auch den aktuellen Rückgang der Flugbewegungen in den Nebenzeiten, wodurch auch die Zahl der Flugbewegungen pro Jahr leicht sinkt. Damit hat aber nicht der Bedarf für Flugreisen abgenommen. Im Gegenteil der nimmt weiterhin zu!
Möglich wurde das durch den Einsatz grösserer Flugzeuge und durch die höhere Auslastung dieser Flugzeuge in den Hauptverkehrszeiten... so dass die Anzahl der beförderten Passagiere trotz insgesamt weniger Flugbewegungen weiter zugenommen hat!
Und wo? In den Hauptverkehrszeiten!
Für mich ein klares Indiz für den Bedarf nach mehr Kapazität zu den Hauptverkehrszeiten, wie wir ihn auch von Schiene und Strasse her kennen. Auch dort findet man die Staus und die überfüllten Fahrzeuge in der Hauptverkehrszeit, während in Nebenzeiten Strassen, Busse und Züge deutlich leerer sind... und das obwohl kürzere Züge unterwegs sind und der Takt ausgedünnt wird (denn auch bei diesen Systemen wird die Kapazität nach dem Bedarf in den Hauptverkehrszeiten geplant).
Aus diesem Grund ist es für mich ganz klar - der Bedarf für mehr Kapazität in den Hauptverkehrszeiten ist längst vorhanden, den kann man nicht ernsthaft leugnen.
Nur hilft das der vom Ausbau betroffenen Region (nicht nur den direkten Anwohnern) herzlich wenig, da diese nur das Mehr an Belästigung erleben - genau wie bei jeder anderen Infrastrukturmassnahme auch.
Egal ob Bahnschienen, Autobahn bzw. Umgehungsstrasse, oder Windrad für die Energiewende - keiner will die Teile vor der eigenen Haustür. Andererseits will bzw. muss aber trotzdem jeder morgens schnell in die Arbeit kommen und abends zügig wieder zurück und günstiger Strom soll auch aus der Steckdose kommen.
Gibt es einen Königsweg, bei dem alle von Infrastruktur profitieren, ohne dass andere darunter leiden?
Ich sehe ihn ehrlich gesagt nicht. Ich sehe kein Schienen-, Strassen- oder Windkraftprojekt, bei dem die Gegner nicht auf die Barrikaden gehen, während gleichzeitig die Mehrheit nach Ausbau von Verkehrswegen und nach Energiewende schreit.
Aber Infrastruktur nicht (aus) zu bauen ist sicherlich auch keine Lösung. Daher wird man es nicht dabei belassen können, immer nur die vom Ausbau betroffenen Anwohner zu befragen (wie Freisinger und Attachinger es gerne hätten) und auf deren selbstlose Einsicht zu hoffen.
Andererseits kann es auch nicht sein, dass ohne Entschädigung für die Betroffenen gegen deren Willen gebaut wird.
Was bleibt?
Für mich nur der Bau - aber eben nicht ohne Entschädigung der Betroffenen durch die Gemeinschaft (aller Nutznießenden... und das sind eben nicht nur die Bauherren).
So lange die Politik es nicht schafft hier eine bessere Lösung für Betroffene zu schaffen (über den gesetzlichen Minima) ohne die Kosten dafür alleine dem Bauherrn aufzubürden (das ist schließlich ein Flughafen von nationaler Bedeutung), sehe ich keinen Konsens.
Meine Meinung.