Ich weiss zwar nicht, in wie weit (Luftfahrt-)unfälle und die Hintergründe dazu hier im Forum von Interesse sind - aber ich denke dies gehört auch, wenn auch zur unschönen Seite der Luftfahrt, genauso wie Unfälle allgemein zu unserem täglichen Leben gehören.
Ich beschäftige mich schon seit meiner Jugend im gewissen Sinn mit diesem Thema. So hab ich mir beispielsweise bereits im Alter von 14 Jahren verunfallte Autos angesehen und mir anhand von Spuren gedanken gemacht, wie Unfallfolgen zumindest gemildert werden könnten.
Besonders ist mir ein Bild im Gedächtnis geblieben, bei dem die Chrom-Einfassung des Seitenfensters eines BMW 2002 tii bei einem Unfall gebrochen war und an der Bruchstelle spitz wie ein Dolch in den Innenraum ragte. (Ich wusste und weiß bis heute nicht, ob dieser Schwachpunkt der Konstruktion irgendwelche Verletzungen zur Folge hatte, war jedoch für mich trotzdem ein Grund Konstruktionen kritischer zu "beäugen"!)
Ähnlich ging und geht es mir mit Luftfahrtunfällen. Nachdem ich zunächst auch dort aus Unfallberichten eher die technischen Details überdachte, richtet sich zwischenzeitlich mein Augenmerk mehr auf die Gesamtheit der Systeme.
Auslöser hierfür war ein Unfallbericht (F28 der Air Ontario am 10.03.89 in Dryden/Kanada) der als Moshansky-Report bekannt wurde. Dieser, vom Richter Moshansky auf 1.700 Seiten erstellte Bericht ging erstmals näher auf Hintergründe ein und hatte als Schlussfolgerung, dass das System der gesamten Luftfahrtindustrie diesen Unfall zugelassen hat. (Eine Kurzbeschreibung, jedoch ohne Betrachtung der gesamten Hintergründe des Unfalls findet ihr
)hier
Ähnlich stellt sich für mich der "Bodenseeunfall" und der SK-Unfall in Mailand-Linate dar.
Dazu wurde ich im ATCNET auf einen interessanten Artikel der NZZ aufmerksam gemacht, den ich nachfolgend mal hier her kopiere.
Nun, warum schreibe ich dies alles hier im Forum?
Ich hätte gerne, dass sich Luftfahrtinteressierte vielleicht auch etwas mehr für das Umfeld und die dort beinhalteten Schwierigkeiten interessieren - und, soweit es möglich ist, zu versuchen Einfluss auf Mißstände zu nehmen. Eine Möglichkeit davon wäre es beispielsweise nicht nur den "billigen" Ticketpreis und den Bordservice als Faktor ins Visier zu nehmen.
Nun aber zu dem Artikel der NZZ. Ich bin mal auf Euere Meinungen hierzu gespannt!
Quelle: NZZ-Online vom Dienstag, dem 18. Mai 2004
http://www.nzz.ch/2004/05/18/il/page-article9LFNY.html
Wenn komplexe Systeme zusammenbrechen
Das Risikoumfeld, in dem Fluglotsen arbeiten
Am Mittwoch will die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung den Untersuchungsbericht zur Kollision über Überlingen im Jahr 2002 vorlegen. Dass dabei die Lotsendienste der im Unglücksgebiet zuständigen Skyguide breiten Raum einnehmen werden, steht zum Vorneherein fest. Im Folgenden macht sich ein Flugverkehrsleiter Gedanken über die Rolle des einzelnen Mitarbeiters im Gesamtsystem Luftfahrt, über Systemversagen und über das Spannungsfeld Strafandrohung und Flugsicherheit.
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* Der Autor, Psychologe, ist Flugverkehrsleiter bei der Skyguide in Genf. Nebenamtlich ist er Präsident der IFATCA (International Federation of Air Traffic Controllers' Associations), welche die Berufsverbände in 127 Ländern mit 40 000 Fluglotsen repräsentiert.