Erlebniswelt Flughafen

Schimmelreiter

Mitglied
Ich schau mir grade (27.07.26 - 20:30h) auf alpha einen Bericht über Singapur an, u.a. über den Flughafen. Ich war mit meiner Frau vor ca. 30 Jahren dort. Inzwischen ist daraus ein richtiges Hingucker-Highlight für die Stadt geworden, soweit das im Bericht stimmt.
Damals (also anno dazumal / Mitte der 1990er) sollte ja auch der MUC eine "Erlebniswelt" sein bzw. werden. Das war ja nicht Selbstzweck, Ziel war, den Flughafen für Airlines attraktiv zu machen.
Aktuell dümpelt der Flughafen (für mich als Ehemaligen und inzwischen Aussenstehenden wirkt es so) irgendwo im Attraktivitäts-Nirwana.
Sehe ich das richtig ? Woran liegt's ?
Ergebnismaximierung bei gleichzeitiger Aufwandsminimierung ?
Phantasielosigkeit ? Allgemeine Ermüdung im Rahmen der Optimierung der Work-Life-Balance ?
Oder bin ich inzwischen bloß zu alt, um das alles zu verstehen ?
Danke für die Kommentierung v.a. der Insider.
 
Das war ja nicht Selbstzweck, Ziel war, den Flughafen für Airlines attraktiv zu machen.
Nein, Ziel war, den Geschäftsbereich Non-Aviation zu steigern. Du gewinnst keine Airline, weil jetzt drei Pax mit der Oma vorher noch am Hafen shoppen gehen. Da arbeitest du mit Bonusprogrammen effizienter.

Woran liegt's ?
Ergebnismaximierung bei gleichzeitiger Aufwandsminimierung ?
Einerseits - bisschen sarkastisch gesagt: Inzwischen wollen Leute hier her, du musst sie nicht mehr dazu zwingen. Also die Nachfrage besteht eh, wofür dann Mühe geben?

Am Ende des Tages ist die FMG auch kein karitativer Verein, sondern eine knallhart profitorientiert arbeitende Firma. Und da musst du am Ende rechnen. Und zwar nicht nur, was überhaupt profitabel ist, sondern in der nächsten Stufe auch, was den höchsten Return on Invest erzielt. Wieso sollte ich dann Kapazitäten in ein nur knapp profitables Geschäftsfeld stecken, wenn ich woanders mit der gleichen Summe Geld mehr Gewinn erzielen kann? Opportunitätskosten is the name of the game.

Andererseits - und da würde ich dein
Oder bin ich inzwischen bloß zu alt, um das alles zu verstehen ?
mit einbeziehen: Der Alltag hat sich geändert. Leute haben heute ganz andere Möglichkeiten, sich selbst und ihre Familie zu unterhalten. 1996 mag ein Trip zum Flughafen eine veritable Entertainment-Alternative zu linearem Fernsehen oder einem Comic gewesen sein, im Jahr 2026 sieht das in der Konkurrenz zu Tablets mit Jahren an Content schon anders aus.

Als erklärter Kerosinschnüffler finde ich das natürlich irgendwo persönlich schade, aber in diesen kulturpessimistischen Abgesang möchte ich dann auch nicht in voller Breite einsteigen.
 
Danke für's rigorose Welterklären. - Jetzt muss ich aber doch ein bisschen grübeln:
Man könnte aber doch hinterfragen, ob das dann alles auch so super ist.
Ich sehe generell in allen Bereichen viel zu wenig (Selbst-) Reflexion.
Als momentan erfolgreicher Mensch liegt einem das natürlich fern.
(Ich meine das in keinem Fall Dir gegenüber wertend, im Gegenteil, ich habe früher ähnlich gedacht).
Ist vielleicht dieses Erfolgs-Maximierungs-Streben daran schuld, dass sich die menschliche Empathie verabschiedet hat ?
 
Naja, Kerkloh hat den Flughafen gelebt. Und auch über den Tellerrand „Flugbetrieb” geschaut. Der Nachfolger Lammers ist halt doch eher Verwalter denn Macher. Vieles, was den Flughafen auch für Nicht-Passagiere vor den Sicherheitskontrollen interessant gemacht hat wurde abgeschafft bzw eingeschränkt, Gastronomie, Einkaufserlebnis etc. Parken wurde massiv verteuert (Parken in P20 statt 4 Stunden kostenlos nur noch verbilligt) etc. Auch Events wirken teilweise nur noch recht halbherzig.
Dass das „Erlebnis Flughafen“ aber immer noch funktionieren kann sieht man am Besucherpark. Das Angebot wird wieder erweitert und die Anlagen gepflegt. Aber auch hier wurden die Parkgebühren massiv angehoben. Dennoch ist der Park meist gut besucht, bei gutem Wetter sogar sehr gut. Es kann sich also schon lohnen, wenn man das richtig aufzieht. Auch in den Terminals. Das Airbräu ist ja auch ein Besuchermagnet. Und im T2 hat man eine riesige freie (ehemalige Gastronomie-) Fläche die man sicher für etwas Tolles nutzen könnte. Man muss ja auch immer daran denken, diese Besucher können die nächsten Passagiere sein.
Früher war München immer auch Erlebnis, Airports wie Frankfurt oder Los Angeles mehr oder weniger reine Abfertigungs-Orte. Das hat sich vor dem Sicherheitsbereich inzwischen leider etwas umgekehrt. Dahinter ist MUC immer noch ein toller Flughafen.
 
Airports wie Frankfurt oder Los Angeles mehr oder weniger reine Abfertigungs-Orte
Ich weiß ja nicht auf welchen Zeitrahmen die Aussage abzielt. Der Flughafen Frankfurt war jedoch in den 80ern und 90ern nach dem Schloss Neuschwanstein über viele Jahre hinweg das meistbesuchte Ausflugsziel überhaupt in Deutschland. Damals, als es u.a. noch die große Besucherterrasse (mit diversen Exponaten) auf dem T1 gab. Das „Dorian Gray“galt als der Hotspot schlechthin für partywütige Nachteulen, insbesondere an den Wochenenden mit bis zu 2‘500+ Gästen. FRA war auch der erste Flughafen Deutschlands, der ein Kino vorhielt…
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben