@ munich + flapsfull + all
es bleibt einfach ein Thema mit sehr viel Diskussionsstoff. Also ideal für ein Forum...

Einfach mal ein paar allgemeine Gedanken an dieser Stelle nach dem mehr oder weniger gründlichen Lesen der Beiträge zum Thema in diversen Foren :

;D (Robert du weißt ja, dass ich zum Thema ETOPS und Atlantiküberquerung fürs Buch reichlich im In- und Ausland recherchiert habe, daher mein gesteigertes Interesse...)
Ich denke in Foren sollte es nicht um Recht oder Unrecht gehen, denn das kann wirklich nur eine unabhängige Kommission aus Fachleuten nach Sichten aller Fakten beurteilen.
In einem Forum sollte man aber alle Meinungen akzeptieren, selbst wenn sie von Leuten kommen die keine besondern operativen Kenntnisse haben. Sie könnten ja Passagiere sein. Jeder argumentiert eben aus seiner Sichtweise. Ist übrigens auch die Forums- Daseinsberechtigung schlechthin. Schrecklicher Gedanke wenn alle einer Meinung wären ;D Ich genieße dabei immer wieder die sachliche Art und Weise im MUC-Forum.
Was bei diesem Thema wirklich fasziniert ist die auf allen Airline Ebenen kontrovers geführte Diskussion.
Technisch betrachtet ist 'One Engine Out' bei der 744 kein größeres Problem. Auch mit nur zwei Motoren (unter Umständen auch mit nur noch Einem) wird die Maschine noch zu ihrem Ausweichziel finden. An dieser Stelle könnte man jetzt eigentlich hingehen und die Diskussion beenden... Ist es wirklich so einfach ? Wahrscheinlich nicht, sonst wären weltweit nicht so viele Piloten, Ingenieure und Flugbetriebsleitungen unterschiedlicher Auffassung.
Bei LH gibt es seit vielen Jahren eine sehr sinnvolle Einrichtung. Es ist die Flugbetriebsinspektion unter Leitung eines Sicherheitspiloten. Diese Instutition hat sich über die Zeit ein enormes Vertrauen bei der Pilotenschaft erworben. Sonst würde das System auch nicht funktionieren. Crews können offen, aber vor allem auch anonym, fliegerische Vorfälle zum Auswerten und Beurteilen dokumentieren.
'Share your experience' bedeutet das jeder davon profitiert.
Dieses Gremium analysiert zusammen mit der Flugbetriebsleitung und den jeweiligen Flotten auch die SOP's (Standard Operating Procedures) der Airline.
Das gesetzliche Regelwerk in Europa (JAR Ops) benennt nur die Minimalanforderungen. Ob das immer ausreichend ist wird ebenfalls diskutiert. Und nun greifen die Erfahrungen aus dem Flugbetrieb und 'weben' ein Sicherheitsnetz um die Operation. Mit 1500-1800 tagtäglichen Flügen weltweit, für LH ein unverzichtbares Erfahrungspotenzial. Diese Erfahrungen sind auch Grundlage einer Risikobewertung:
RISIKO = BEDROHUNG durch ABWEHRMASSNAHME
Eine Airline könnte von Rechts wegen nun hingehen und sagen: OK es langt vollkommen die Minimalanforderungen der Flugzeughersteller und Luftfahrtbehörden zu erfüllen. Mehr benötigen wir nicht. Ob man mit dieser Einstellung die geforderte 'Zero Accident Rate' über Jahrzehnte im Flugbetrieb aufrecht erhalten kann ?
Um wieder auf unseren BA Flug zurückzukommen:
DIE AKZEPTIERTE TOLERANZSCHWELLE LEGT DIE MASCHENGRÖSSE EINES SICHERHEITSNETZES FEST !!
Und bitte schimpfts net

wenn ich nach wie vor der persönlichen Meinung bin, dass ein B747 Flug mit nur noch drei Motoren im WINTER und bei NACHT nicht hätte über dieser Region des Nordatlantiks stattfinden dürfen. Da sind ein paar Maschen des redundanten Sicherheitsnetzes meiner Meinung nach nicht eng genug gewesen. Hätte ein weiterer Motor seinen Dienst verweigert, hätte man die Entscheidung von BA Crew und OPS wohl hinterher deutlich anders kommentiert...
'A superior pilot is one, who uses superior judgement to avoid situations that require superior skills' !
aber bitte, es bleibt alles nur meine persönliche Meinung 8)