Landekurs "Fluktuation"

frankausg

Mitglied
Hallo an die Piloten hier.
Heute früh, gegen 05:30 UTC, gab es wohl einen goaround auf der 08L.
Mich erreichte lediglich die Mitteilung, das war wegen Landekursfluktuation.
Da es diesen Begriff so bei uns nicht gibt habe ich sofort angeboten auf den Platz zu fahren und den Landekurs wieder zurecht zu rücken.

Im Ernst liebe Piloten. Eine solche Meldung wird bei uns sehr wichtig genommen und tiefgründig ausgewertet. Wir sind keine BfU, beschränken uns also auf die Untersuchung unserer eigenen Prozesse und technischen Gegebenheiten (mehr Möglichkeiten haben wir gar nicht).
Mein heutiger Tag war jedenfalls versaut (auch weil ich den Scherz mit dem Landekurssender in der heutigen Morgenbesprechung anbrachte).
Ich sage es immer wieder und will es hier nochmals wiederholen.
Wenn Ihr Probleme mit dem ILS habt, hinterlasst bitte auch im Interesse Eurer Kollegen irgendwo bei der DFS (z.B. Tower) eine Telefonnummer zum Rückruf. Oder verlangt beim Tower wenigstens einen Rückruf durch die Technik. In diesem Fall dürfen wir Euch wenigstens ausfindig machen.
Ich z.B. habe mich bis jetzt noch nicht darum gekümmert, wer das heute früh war. Legal bekomme ich es in meiner Firma nicht heraus (ohne die o.G. Bitte um Rückruf) und wenn ich mich anderer Quellen bediene wird sofort gesagt "Ja, die (DFS) haben ja alle Daten von uns".
Wir sind andererseits aber sehr daran interessiert die Ursache aller eventuellen Signalschwankungen in der Luft zu ergründen.
Wenn die Signalabnormität im Sender selbst begründet ist erfahren wir das sowieso vor Euch und die Anlage schaltet sich dann auch automatisch ab.
Es ist zu hundert Prozent sicher, das ein (Senderbedingtes) falsches ILS-Signal weniger als eine Sekunde in der Luft ist.
Ich weiß, der normale Weg für Euch ist: Ihr meldet ILS-Abnormalitäten an Eure Firma. Im Falle von heut früh hat es der entsprechenden Firma ja auch Geld gekostet also wird diese das dann an die DFS weiterleiten. Im Verlaufe von ca. einer Woche (wenns schnell geht) landet das bei uns und wir sollen diesen Vorfall dann "zeitnah" aufklären. In 9,4 von 10 Fällen können wir nur noch die Daten aus unseren Geräten auslesen und sagen "An uns lags nicht".
Also wiedermal ein grosser Verwaltungsaufwand, die Ursache wird jedoch nie gefunden werden.
Wir hatten schon Erfolge durch Kontakte über den "kleinen Dienstweg". Möchte/darf ich jetzt hier in der Öffentlichkeit nicht weiter ausbreiten.
Die Ergebnisse waren zumeist überraschend und für alle Beteiligten sehr lehrreich. In keinem mir bekannten Fall (der durch uns aufgeklärt werden konnte) war es so, daß die Besatzung irgendwelche Fehler beging.
Es waren stets entweder äußere Umstände oder eine unglückliche Kombination von Soft- und Hardware im Bordsystem im Zusammenhang mit eben gewissen äußeren Umständen. Kommt sehr, sehr selten vor aber gibt es. Umsomehr ist für uns von der Technik der unmittelbare Kontakt zur Besatzung nach einem solchen Vorfall wichtig (Eindrücke sind noch unverfälscht).
Beste Grüße
Frankausg
 
Hallo Frank,

wenn Du die Flugnummer in Erfahrung bringen kannst, könnte ich versuchen einen Kontakt zur Crew herzustellen.

Bei Interesse bitte PN.

Gruß MAX
 
Hallo Max,
vielen Dank für das Angebot. Aber in genau diesem Fall muß ich wiedermal äusserst formalistisch handeln. Die Flugnummer habe ich privat per Stanly längst herausbekommen. Aber ich benötige von unserer Seite her noch Radarplots vom Geschehen auf den Taxiways und einiges mehr. Und das fällt eben unter den Datenschutz solange nicht eine Besatzung (oder Airline) um konkrete Aufklärung bittet.
Genau diesen Radarplot hat heute ein Kollege angefordert, er wurde auch erstellt und dann wurde festgestellt, daß für die Erstellung dieses Plots keine Berechtigung existiert. Also ab in den Shredder. Selbst wenn ich den gesehen hätte, dürfte ich die Daten nie verwenden. Ist kein Witz. Der gestrige Vorfall ist bei allen betroffenen Bereichen in den Logbüchern vermerkt, wird auch sicherlich ausgewertet aber wie so oft ist Mangels einer zügigen Informationssammlung kein vernünftiges Ergebnis zu erwarten. Ist eben die andere Seite des Datenschutzes.
Ich denke mal eine Weile darauf rum, wie ein für beide Seiten machbares Verfahren aussehen könnte.
Beste Grüße
Frankausg
 
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